NEWSID: 806
Datum: 06.04.2024 - 21:13 Uhr | Nordrhein-Westfalen

Rollstuhlfahrerin zögert Blockade in die Länge: Klimaaktivisten blockieren Steinkohlekraftwerk Scholven in Gelsenkirchen

Klimaaktivisten fordern sofortigen Stopp des Kohleimportes - Schienen werden durch Menschen blockiert - Aktivisten betonen Dringlichkeit des Importstopps - Demonstranten seilten sich von einer Brücke ab - Höhenretter der Feuerwehr ebenfalls vor Ort - Höheninterventionsteam der Polizei holt Personen von Dreibein und Brücke herunter - Rollstuhlfahrerin blockiert weiterhin Bahnschienen, Intervention gestaltet sich schwierig - Feuerwehr rückt mit Spezialgerät an


Klimaaktivisten fordern sofortigen Stopp des Kohleimportes - Schienen werden durch Menschen blockiert - Aktivisten betonen Dringlichkeit des Importstopps - Demonstranten seilten sich von einer Brücke ab - Höhenretter der Feuerwehr ebenfalls vor Ort - Höheninterventionsteam der Polizei holt Personen von Dreibein und Brücke herunter - Rollstuhlfahrerin blockiert weiterhin Bahnschienen, Intervention gestaltet sich schwierig - Feuerwehr rückt mit Spezialgerät an:

Datum: 06.04.2024 - 21:13 Uhr
Ort: Uniper-Steinkohlekraftwerk Scholven, Gelsenkirchen / Nordrhein-Westfalen

Die Klimaschutzgruppe "Ende Gelände" hat am Samstagmorgen eine Protestaktion gegen das Uniper-Steinkohlekraftwerk Scholven in Gelsenkirchen gestartet.

Die Aktivisten fordern einen sofortigen Stopp der Kohleimporte aus Kolumbien und setzen mit ihrer Blockade ein deutliches Zeichen gegen die fortgesetzte Nutzung fossiler Brennstoffe.

Etwa 20 Mitglieder der Gruppe errichteten ab 5:30 Uhr vor dem Haupttor des Kraftwerks eine Blockade. Zusätzlich erschwert ein von den Aktivisten selbstgebautest Holzgerüst auf dem Parkplatz des Kraftwerks die Zufahrt für Autos.

Mit diesen Maßnahmen wollen die Klimaaktivisten auf die klimaschädlichen Auswirkungen der Kohleverstromung und die damit verbundene Umweltzerstörung aufmerksam machen.Die Aktion von "Ende Gelände" unterstreicht die Dringlichkeit des Klimaschutzes und die Notwendigkeit eines schnellen Kohleausstiegs. Die Gruppe kritisiert insbesondere die negativen ökologischen und sozialen Folgen des Kohleabbaus in Kolumbien und fordert ein Umdenken in der Energiepolitik.

Gegen Nachmittag entfernten Spezialkräfte des Höheninterventionsteams der Polizei Bochum einige Demonstranten von dem Dreibein am Werkstor, sowie von einer Brücke. Eine Rollstuhlfahrerin hält jedoch weiterhin die Blockade der Schienen aufrecht, da sich die Entfernung der Person samt Rollstuhl als komplex darstellt. Der Rollstuhl soll um die 300KG wiegen. Die Feuerwehr musste mit einem Spezialgerät anrücken, um die Blockade zu beenden.



Pressemitteilung:

Pressemitteilung vom 06.04.2024

++ Ende Gelände blockiert das Kohlekraftwerk Scholven in Gelsenkirchen ++ „Blutkohle stoppen – Kohleausstieg jetzt“ ++
Gelsenkirchen, 06.04.2024

Klimaaktivist*innen von Ende Gelände blockieren seit heute Morgen gegen 6 Uhr das Steinkohlekraftwerk Scholven in Gelsenkirchen. Eine Gruppe mit knapp 30 Menschen befindet sich auf dem Kraftwerksgelände. Sie blockieren mit einem Tripod die Zufahrt und behindern so den Betrieb. Etwa 70 weitere Aktivist*innen befinden sich auf den Gleisen vor dem Kraftwerk, sodass keine weitere Steinkohle angeliefert werden kann. Die Schienen wurden mit blutroter Farbe angemalt. Zusätzlich wurde bei einer Kletteraktion ein großes Banner von einer Brücke herabgelassen und dort befestigt. Auch hier sind die Gleise blockiert. Ende Gelände setzt sich für einen sofortigen Kohleausstieg ein.

Dazu Jule Fink, Sprecherin von Ende Gelände:

„Seit Jahrzehnten machen deutsche Kohlekonzerne fette Gewinne mit der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen. Täglich verursacht das Kraftwerk Scholven in Gelsenkirchen rund 20.000 Tonnen CO2. Damit trägt der Betreiber Uniper maßgeblich dazu bei, dass sich der Planet so extrem aufheizt, dass ganze Regionen von Überflutungen, Dürren oder Bränden verwüstet und unbewohnbar werden. Schon jetzt sterben hunderttausende Menschen an den Folgen der Klimakrise oder müssen ihre Heimat zu verlassen. Wir stoppen heute die CO2 Emissionen des dreckigen Kohlekraftwerks Scholven und nehmen den Kohleausstieg selbst in die Hand.“

Als Reaktion auf die russische Invasion in die Ukraine hatte die Bundesregierung eine Energiekrise ausgerufen, etliche bereits stillgelegte Steinkohlekraftwerke wieder ans Netz geholt und Laufzeiten verlängert. Das gilt auch für das Kraftwerk Scholven in Gelsenkirchen, das bis auf Weiteres in Betrieb bleibt. Allein 73 Steinkohlekraftwerke laufen trotz des beschlossenen Kohleausstiegs weiter, manche sollen noch bis 2038 betrieben werden. Deshalb wir heute deutlich mehr Steinkohle aus Kolumbien nach Deutschland eingeführt, die zunächst per Schiff in Rotterdam anlandet. Schon gestern blockierten Aktivist*innen den Kohleterminal des niederländischen Welthafens und einen mit Steinkohle beladenen Zug für Deutschland. Seit vielen Jahren gibt es laute Kritik am Steinkohletagebau in Kolumbien, der besonders umweltschädlich ist und mit massiven Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht wird. Die Steinkohle wird dort deshalb oft als „Blutkohle“ bezeichnet.

Dazu María Fernanda Becerra Muñoz von den Mujeres Guerreras, eine von dem Steinkohleabbau betroffenen afro-kolumbianischen Community in Kolumbien:

„Seit Jahrzehnten kämpfen wir gegen die multinationalen Konzerne, die mit dem Versprechen der Entwicklung kommen und uns nur Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Vertreibung und Umweltzerstörung hinterlassen. Es ist Kohle, die mit Blut beschmiert ist, die mit irreparablen Schäden der Ökosysteme einhergeht und die Sozialgefüge so vieler Gemeinden zerstört hat. Als ein Volk Schwarzer Kleinbäuer*innen, Enkelkinder von versklavten Männern und Frauen, werden wir weiterhin Widerstand leisten, um unser Territorium zu verteidigen.“

Unter den Folgen der Steinkohleförderung leiden vor allem afro-kolumbianische und indigene Völker wie die Wajúu oder die Yupka-Nation. Mehr als 60.000 Menschen wurden für den Steinkohleabbau in Kolumbien bereits vertrieben und etwa 2.600 Menschen ermordet. Es ist mittlerweile nachgewiesen, dass der in Kolumbien tätige US-amerikanische Konzern Drummond Paramilitärs für die Ermordung führender Gewerkschaftler*innen bezahlt hat.

Ende Gelände ist durch Massenaktionen zivilen Ungehorsams rund um die deutschen Braunkohlereviere bekannt geworden, an denen sich meist mehrere tausend Menschen beteiligten. Neben Kohle war zuletzt vor allem Gasinfrastruktur Ziel von Blockaden. In diesem Jahr setzt das Bündnis auf kleinere regionale Aktionen. Mit den koordinierten Protesten in Deutschland und den Niederlanden wird erstmals die europäische Lieferkette der kolumbianischen Steinkohle zum Ziel von Aktionen. Ende Gelände will den Ausstieg aus allen fossilen Energien und eine Vergesellschaftung von Energiekonzernen erreichen.

Kontaktdaten

E-Mail: presse@ende-gelaende.org

Jule Fink: +49 163 681 177 6

Website www.ende-gelaende.org

Twitter https://twitter.com/Ende__Gelaende

Quelle:https://www.ende-gelaende.org/press-release/pressemitteilung-vom-06-04-2024/

 

Polizei Gelsenkirchen

POL-GE: Aktivisten protestieren auf Kraftwerksgelände/Einsatz in Gelsenkirchen

Gelsenkirchen (ots)

Die Polizei Gelsenkirchen ist am Samstagmorgen, 6. April 2024, seit den frühen Morgenstunden an und auf einem Kraftwerksgelände im Stadtteil Scholven im Einsatz. Um 5.30 Uhr haben sich dort mehrere Dutzend Demonstranten versammelt, um gegen den Einsatz von Kohle zur Stromerzeugung durch die Kraftwerksbetreiber zu demonstrieren. Dazu haben sie Gleise und eine Werkszufahrt blockiert. Die Polizei ist mit zahlreichen Kräften vor Ort, um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten. Es wird nachberichtet.

Rückfragen bitte an:

Polizei Gelsenkirchen
Thomas Nowaczyk
Telefon: +49 (0) 209 365-2010
E-Mail: pressestelle.gelsenkirchen@polizei.nrw.de
https://gelsenkirchen.polizei.nrw

Quelle: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/51056/5750947

Update: Polizei Gelsenkirchen

POL-GE: Folgemeldung/Aktivisten protestieren auf Kraftwerksgelände in Gelsenkirchen

Gelsenkirchen (ots) 

Nach Bewertung der Polizei liegen bei dem Demonstrationsgeschehen in Gelsenkirchen-Scholven (unsere Pressemitteilung vom 6. April 2024, 11.53 Uhr: POL-GE: Aktivisten protestieren auf Kraftwerksgelände/Einsatz in Gelsenkirchen - https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/51056/5750947) verschiedene Verstöße und Straftaten vor. Da es sich um eine nicht angemeldete Versammlung handelt und sich trotz mehrmaliger Aufforderung an einem der Versammlungsorte kein Versammlungsleiter benennen ließ, haben die Beamten die Teilnehmenden wiederholt aufgefordert, die Versammlung zu beenden. Da die Teilnehmenden dieser Aufforderung nicht nachkamen, ist die Versammlung gegen 14 Uhr durch die Polizei aufgelöst worden. Des Weiteren liegen Verstöße wegen schweren Hausfriedensbruchs vor. Um die Rechte des Grundstücksbesitzers durchzusetzen, haben die Beamten den insgesamt 96 Teilnehmenden einen Platzverweis erteilt und diesen durchgesetzt. Um Ansprüche geltend machen zu können, wurden vor Ort Maßnahmen getroffen, um von allen Personen die Personalien feststellen zu können. Des Weiteren fertigten die Beamten eine Strafanzeige wegen Nötigung, da während der Blockaden weder ein Zug- noch Kraftfahrzeugverkehr über die blockierten Ablagen möglich war. Der Einsatz vor Ort konnte gegen 20.30 Uhr beendet werden. Die weiteren Ermittlungen dauern an.

Rückfragen bitte an:

Polizei Gelsenkirchen
Thomas Nowaczyk
Telefon: +49 (0) 209 365-2010 bis 2015
E-Mail: pressestelle.gelsenkirchen@polizei.nrw.de
https://gelsenkirchen.polizei.nrw

Quelle: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/51056/5751064

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