NEWSID: 253
Datum: 30.09.2022 - 00:00 Uhr | Niedersachsen

Eintrittsgeld in der Osnabrücker Gastro oder doch eher Energiepauschale pro Gast?

Osnabrücker Gastronomin erhebt ab 1. Oktober 1,50 Euro zusätzlich pro Gast in ihrem Lokal - Geschäftsführer Steakmeisterei sieht es eher als Energiepauschale - Keiner weiß, wie es mit den Geldern der Bundesregierung weitergeht und wer was bekommt - Überlegungen sind in jeglicher Hinsicht da - "Also Kosten explodieren an vielen Stellen" - "Da finde ich diese Herangehensweise ganz pragmatisch zu legen, zu sagen, wir nehmen eine Pauschale pro Kunde und können damit unsere Kosten decken" - Er denkt eher an eine Buchungspauschale, da Kunden oft reservieren und nicht kommen - Stammgäste sehen es nicht so irre negativ - Vergleich zum Handwerk mit Fahrzeugs-, Anfahrts- und Werkzeugpauschalen


Osnabrücker Gastronomin erhebt ab 1. Oktober 1,50 Euro zusätzlich pro Gast in ihrem Lokal - Geschäftsführer Steakmeisterei sieht es eher als Energiepauschale - Keiner weiß, wie es mit den Geldern der Bundesregierung weitergeht und wer was bekommt - Überlegungen sind in jeglicher Hinsicht da -

Datum: 30.09.2022 - 00:00 Uhr
Ort: Osnabrück / Niedersachsen

Die gestiegenen Energiepreise - es gibt wohl kaum einen Erwachsenen in Deutschland, der sich darüber keine Gedanken macht. Gerade auch die Gastronomen sind von den Entwicklungen und Preiserhöhungen betroffen. Nach der Corona-Pandemie gibt es keine Rücklagen mehr.

Aus diesem Grund hat sich eine Osnabrücker Gastronomin dazu entschlossen, pro Gast einen Aufschlag von 1,50 Euro ab 1. Oktober zu verlangen. Stellung dazu nehmen wollte die Unternehmerin jedoch nicht. Doch wie ist die allgemeine Stimmung bei den Osnabrücker Gastronomen, können sie das Handeln der Kollegin nachvollziehen? Wir haben mit Tobias Neumann, Geschäftsführer der Steakmeisterei gesprochen, der sich vorab mit anderen Unternehmern in der Branche unterhalten hat.

Gleich zu Anfang möchte Neumann etwas klarstellen: "Also der Begriff Eintritt ist tatsächlich gefallen und ich finde ihn tatsächlich a nicht zutreffend und b sogar auch ein bisschen unfair. Er suggeriert, dass jeder Gast Eintritt zahlen muss, um dieses Lokalität zu betreiben. Darum ging es nicht, sondern es ging darum, Energiekosten, die jetzt für diesen gastronomischen Betrieb, in dem es da letztendlich ging, zu kompensieren. Und da hat sie sich in dem Moment für einen Weg entschieden, den sie in dem Moment für besonders fair empfunden hat, nämlich das auf jeden einzelnen Gast umzulegen und nicht auf einzelne Artikel, die dann möglicherweise kostenmäßig explodieren".

Generell ist die Situation in der Branche schwierig, erzählt der erfahrene Gastronom: "Grundsätzlich muss man heute in unserer Branche, nachdem wir im Prinzip alle noch mit dem Muskelkater von Corona zu kämpfen haben, schon wieder im Krisenmodus agieren. Und da stellt sich natürlich jeder für sich die Frage: Wie kann ich mein Unternehmen durch diese Krise durchführen". Zur wurde von der Regierung am Donnerstag ein großes Paket geschnürt, aber keiner weiß, wie hier die Verteilung aussehen wird. 

Deswegen ist es auch für Neumann unablässig sich Gedanken zu machen, wie es weitergeht. "Die Gastronomie ist eine Branche, die ohnehin mit vielen Kosten zu kämpfen hat. Wir haben wahnsinnige negative Entwicklungen im Personalbereich, im Energiebereich, im Lebensmittelbereich. Und wir müssen diesen Grat finden zwischen, dass für den Kunden, für den Gast noch irgendwie darstellbar, bezahlbar und gleichzeitig können wir unser Unternehmen damit aber auch noch irgendwie ja weiterentwickeln. Ja, also Kosten explodieren an vielen Stellen".

Und genau diese Kosten sind es, die viele zum Überlegen bringen, wie sie es in Zukunft stemmen sollen. Auch Neumann nimmt sich davon nicht aus, auch wenn er persönlich ein bisschen anders denk: "Mir geht es eher ein bisschen darum, eine Verbindlichkeit herzustellen meinen Gästen gegenüber. Es ging zum Beispiel in unseren Gedanken darum, keine Energiepauschale zu zahlen, sondern eine Art Buchungspauschale, die in Teilen dann auch mit der Rechnung später verrechnet wird, um eine Verbindlichkeit herzustellen für eine Reservierung bei uns im Restaurant. Wir sind da so ein bisschen mit der Problematik konfrontiert, dass wir parallel zu diesen extremen Kostensteigerungen das Problem haben, dass viele Gäste ihre Reservierung als nicht allzu verbindlich ansehen und uns dann am Abend gerne leider auch mal hängen lassen".

Genau diese Entwicklung hat er bei einigen Stammgästen schon angesprochen, mit denen er zufällig ins Gespräch gekommen ist. Das Resümee: "Da ist es tatsächlich gar nicht so irre negativ angekommen, weil die wissen ja unsere Leistung zu schätzen und haben das tatsächlich ganz positiv aufgefasst. Und da fiel ganz schnell auch der Vergleich in Richtung Handwerker. Also es ist ja ursprünglich ist es da ja ganz alltäglich, Fahrzeugpauschalen, Anfahrtspauschalen, Werkzeugpauschalen zu berechnen. Insofern ist der Vergleich schnell gefallen und somit hat man sich im Prinzip damit auch ganz schnell eigentlich angefreundet. Wir haben da bisher eher positive Rückmeldungen bekommen".

Doch Tobias Neumann hat sich bewusst bislang dagegen entschieden eine konkrete Aussage zu treffen. Ihm geht es darum, erst einmal abzuwarten, wie sich die aktuelle Situation entwickelt. Zusätzlich, so erzählt er, ist er in der glücklichen Situation, dass er noch einen Moment zum Durchschlafen hat, weil noch bestehende Energieverträge hat. Allerdings hat er einen Appell an die Regierung: "Also wir brauchen ganz besonders schnell jetzt besonders Klarheit. Das ist gerade das große Problem. Es wird mit werden mit irren Geldsummen um sich geworfen, von denen aber noch keiner weiß, wie die dann tatsächlich am Ende des Tages dem Bürger und damit letztendlich auch uns final wirklich helfen. Und da muss es ganz, ganz schnell jetzt wirklich Klarheit geben, damit wir auch in die Zukunft auch planen und schauen können".

Bleibt aktuell nur "abwarten und Tee trinken", wie es im Volksmund so schön heißt und einfach darauf warten, ob die Regierung Klarheit schafft. Wenn diese nicht kommt, so muss jeder seinen eigenen Weg gehen und selbst Entscheidungen treffen.

© tv7news.de / Festim Beqiri
Bilder sind honorarpflichtig zzgl. 7% MwSt. Alle Rechte nach Paragraf 2 UrhG vorbehalten.

Bestellen Sie unser TV-Material unter +49 (0) 176 61840230

Bitte loggen Sie sich ein, um Zugriff zu den Videodateien zu erhalten.